Sinn und Unsinn der Golfschläger-Anpassung
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Der Lie ist ein stark diskutierter und gepredigter Winkel am Golfschläger. Für viele Golfer scheint er die Ursache und Lösung der Schwungprobleme zu sein, angestachelt durch manchen Pro und manches Forum. Aktuell ist ein Trend zu einem steileren Lie erkennbar, der Kunde will es, die Industrie macht es.
Deshalb mal unsere Erfahrung dazu mit Pro und Contra:
1. die meisten Golfer haben einen zu steilen Schwung (flaches, frühes Wegnehmen des Golfschlägers und am Ende des Rückschwungs ist das ganze dann sehr steil). Ein "steiler" Lie (Schlägerkopfspitze nach oben gebogen), kommt diesem Schwungfehler entgegen, da Slice und schlechte Treffer etwas gemindert werden.
2. ABER: mit "Lie up" (steiler Lie), bekommen Sie zwei neue Probleme: die kurzen Schläger (vor allem die Wedges) verlieren stark an Präzision (Richtung), die langen Eisen verlieren an Distanz. Grund: die aufrechte Körperhaltung drängt die rechte Schulter bei kurzen Schlägern nach aussen, da sie nicht in den Körper "tauchen" kann. Fehlschläge nach links und viel Slice-Spin sind die Folge, ebenso Sockets etc.
Bei den langen Schlägen fehlt ganz einfach der optimale Winkel für eine grösstmögliche Kraftübertragung auf den Golfball. Die Schulter kommt wieder nach aussen - mit Pull und Pushslice als Ergebnis.
3. Lie down wäre an sich das beste Mittel für einen sauberen Schwung, zugleich jedoch das schwierigste. Aber man muss nicht gleich alles übertreiben: Der Standard-Lie hat sich aus der Erfahrung mit Millionen von Golfern entwickelt - warum also das Pulver neu erfinden?
Dazu eine Meinung eines Betroffenen, der von extremer Überlänge üder extrem aufrechten Lie anscheinend jetzt seine Lösung gefunden hat:
"... ich danke dir für die neue Einstellung der Schläger und deine Beratung und dein Fitting! Du hast recht gehabt, die Schläger spielen sich viel besser und passen auch besser zu meinem Schwung. Warum ich immer dachte, aufrechter stehen und schwingen zu müssen weiß ich nicht."
4. Zudem wird ein Lie-Fitting oft schon bei Anfängern gemacht, was völliger Unsinn ist ... hier wird der Schläger einem noch nicht entwickelten Schwung angepasst. Absolut nicht empfehlenswert.
5. Gepaart ist alles mit einer zu grossen Hoffnung: kleine Lie-Änderungen können auch nur ganz kleine Ergebnisse bringen. Wer glaubt, per Lie-Winkel aus einem falschen Schwung einen richtigen Ballflug machen zu können, da schiesst am Ziel vorbei. Wichtiger als der optimale Lie-Winkel (der zu 95% Standard ist), ist die Gleichmässigkeit innerhalb eines Schlägersatzes ... und hier hat die Industrie und mancher Clubfitter den weitaus grösseren Nachholbedarf in Sachen Fertigungstoleranz.
6. Randbemerkung: der Lie hat den grössten Einfluss bei den kurzen Schlägern. Ab Eisen 4 und länger bzw. bei den Hölzern ist der Lie faktisch ohne Bedeutung.