Spin, Spine, FLO und Spinning
Deshalb hier einmal eine Zusammenfassung der Fakten:
Um was geht es?
Jeder Schaft hat ein unsymmetrisches Biegeverhalten, unabhängig von Material und Herstellungsverfahren. Unsymmetrisch bedeutet, dass sich der Schaft auf eine Seite leichter biegt als auf eine andere und umgekehrt. In Abhängigkeit vom Material kann dieser Effekt auch an mehreren Stellen auftreten. Graphiteschäfte haben z.B. oft diese Eigenart.
Ursprünglich ging man davon aus, dass diese Asymmetrie durch die Schweissnaht bei Stahlschäften bzw. den Ansatz der Graphitefaser entsteht und nannte dies deshalb Rückgrat des Schaftes, in Englisch “Spine”. Es sei aber nochmals darauf hingewiesen, dass auch nahtlose Schäfte einen Asymmetrie im Biegeverhalten aufweisen.
Etwas Geschichte
Als Entdecker des Einflusses dieser Asymmetrie für Golfschläger gilt der amerikanische Clubfitter Dick Weiss, allerdings erwarb dieser 1997 lediglich das Patent zur Berücksichtigung und Abstimmung des “Spines” zur Verbesserung der Spieleigenschaften von Bob Colbert, der den Effekt schon vorher erkannte und eben patentieren liess. Dick Weiss warb als neuer Inhaber des Patentes erstmals massiv für die Vorzüge der Spine-Bestimmung und sorgte für entsprechende Aufmerksamkeit: welche Golfer wollte denn nicht besser spielen?
Zwei Jahre war die Spine-Bestimmung und Berücksichtigung trotz Patent entgegen den Regeln der USGA, die vorschrieb, dass ein Schaft nach allen Seiten das gleiche Biegeverhalten aufzuweisen hat. Da allerdings die Regel in sich aufgrund der physikalischen Gegebenheiten eines Schaftes (siehe oben: immer asymmetrisches Biegeverhalten) unsinnig war (faktisch wäre jeder Golfschläger dadurch nicht regelkonform), wurde die entsprechende Passage 1999 zugunsten der Spine-Bestimmung geändert. Lediglich die Nutzung der Asymmetrie zur Reduzierung von Schwungfehlern wie Slice, Hook etc. bleibt bis heute verboten.
Wie wird es gemacht und welche Unterschiede gibt es?
Der Bau von absolut präzisen Golfschlägern hat demnach seit 1999 den offiziellen Segen. Die Bestimmung des Schlägerschaft-Rückgrates ist relativ einfach, bekannte Methoden und Vorrichtungen zur Bestimmung kosten nichts bis 5000,00 EUR. Die einfachste Art ist es, den Schaft vorn und hinten mit einem Korken zu verschliessen und in ein Wasserbecken zu legen. Der Schaft wird sich sofort in eine stabile Lage drehen, das schwerere Rückgrat nach unten. So den Schaft markieren und richtig einbauen, dann haben Sie schon einen Schlägersatz, der der Massenware überlegen ist. Mehr zum richtigen Einbau weiter unten.
Mit der Rückgrat-Theorie waren jedoch auch gleich die ersten Fehler geboren. Manche Hersteller markieren bis heute die Schlägerschäfte an der Naht, um dem Clubfitter etwas Gutes zu tun. Misst man jedoch mit einer entsprechend hochwertigen Vorrichtung nach, stellt man plötzlich fest, dass das Rückgrat, der Spine, nicht immer mit der Naht des Schaftes identisch ist.
Liegen Naht und gemessener Spine an der selben Stelle und man spannt den Schaft auf dieser Achse ein, versetzt ihn in Schwingung, dann federt er linear hin und her. Sind Naht und Messwert nicht identisch, fängt der Schaft bei gleicher Methode zum Kreisen an, eine sehr ungute Eigenschaft beim Durchschwung.
Aus dieser Tatsache hat sich eine andere Methode entwickelt: FLO (Flat Line Oscillation), in der Industrie auch mit anderen Namen umschrieben. Hier wird nicht der Spine bestimmt, sondern der Schaft wird mit o.g. Schwingtest solange in der Halterung gedreht, bis dieser linear schwingt. Learning by doing.
Warum uns der “Spine” nicht interessiert und wir die ganze Sache “Spining” nennen
Alle bisherigen Methoden zur Bestimmung des Biegeverhaltens beschränken sich jedoch auf eine Achse. In einer ganz bestimmten Ausrichtung ist somit die Reaktion des Schaftes bekannt und damit kontrollierbar. Allerdings wird im Schwung der Golfschläger gedreht und somit auch der Schaft. Zudem erfährt der Schaft sowohl in Zielrichtung durch die Schwungkraft als auch 90° dazu durch die aussermittige Masse des Schlägerkopfes unterschiedliche Biegeimpulse. Will man hier ein kontrolliertes Verhalten erreichen, muss man erstens jeden Schaft rundum in möglichst kleinen Schritten ausmessen und zusätzlich pro Satz nur Schäfte verwenden, die zueinander das gleiche Verhalten haben.
Genau dies wird bei unseren Präzisions-Sätzen gemacht: jeder Schaft wird 360° vermessen und geeignete Schäfte werden aus- und satzweise zusammensortiert. Wir recherchieren ständig bei anderen Herstellern und messen auch möglichst viele Fremdsätze nach. Bislang sind wir anscheinend weltweit die einzigen, die diesen Aufwand in Serie betreiben. Dies soll nicht heissen, dass diese Abstimmung ein Unsinn ist, sie erschwert jedoch die Herstellung ungemein und schliesst eine Massenfertigung aus, was die Sache für grosse Stückzahlen gänzlich uninteressant macht.
Aufgrund der Rotationsmessung und dem sehr interessanten Verhalten der Schäfte dabei, reden wir bei dieser Messmethode von “Spining”, abgeleitet von dem englischen “spin” = rotieren, kreiseln.
Anmerkung für Selberbauer
Um regelkonform zu bleiben, darf das Biegeverhalten zwar berücksichtigt werden, man darf damit jedoch nicht schwungfehlerbeseitigende Justierungen vornehmen, was relativ einfach möglich wäre.
Es gibt acht verschiedene Einbaumöglichkeiten, die zulässig sind und jeweils individuell bessere Eigenschaften aufweisen:
1. weiche Seite zum Ziel
2. weiche Seite entgegen Ziel
3. weiche Seite 90° zum Ziel und zum Spieler gewandt
4. weiche Seite 90° zum Ziel und vom Spieler abgewandt
5. weiche Seite zum Massenschwerpunkt des Schlägers ausgerichtet
6. harte Seite zum Massenschwerpunkt des Schlägers ausgerichtet
Wir haben hier sehr viel getestet und Blindversuche durchgeführt. Am Ende stand eine Methode, die vor allem ein sehr präzises Spiel unterstützt und als eindeutiger Sieger bei den Testern hervorging. Diese Einstellung verwenden wir nun mit bestem Erfolg seit Jahren. Aktuell möchten wir dieses Ergebnis noch nicht publizieren, etwas Know-How-Vorsprung kann nicht schaden.